Ein Essay für Freunde: 1. Fleischkonsumpdf_ico

Die kleine Serie ‘Ein Essay für Freunde’ soll wöchentlich meinen Freunden ans Bein pinkeln und ihnen etwas polemisch ein bisschen Moral einprügeln. Hier kommt also die erste Angriffswelle zum übermässigen Fleischkonsum der Schweiz, wo 1kg Fleisch pro Kopf pro Woche gegessen wird und weitere 0.5kg direkt im Abfall landen.

Jede/jeder kann essen, was sie/er will – ausser natürlich Menschen, Nachbarshunde und -katzen, Organspenden oder Popel. So ganz Privatsache ist unser Konsum tatsächlich nie, weil seine Folgen halt eben auch nicht ganz Privatsache sind. Wie gern ein Pädophiler zum Beispiel seinen Kinderporno hat, lassen wir nicht als Argument gelten, wenn wir uns die Sittlichkeit seines Konsums überlegen. Genauso sind Ausreden wie ‘Der Film ist ja schon gedreht’ oder ‘Tu ich’s nicht, macht’s ein Anderer’ schlicht nichtig, weil der Konsum selbst unmoralisch ist. Auch Ignoranz gilt nicht mehr, denn Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Ganz anders funktionieren wir, oder besser, ihr, da beim Fleisch. Alle Ausreden gelten. Der Genuss wird plötzlich zum Argument. Das Tier sei ja schon tot und wenn man es nicht ässe, täte das sicher ein Anderer. Diese Argumente sind Bullshit, genau wie beim Kinderporno. Denn wenn wir uns die Sittlichkeit unserer Taten überlegen, müssen wir uns die Folgen derer vor Augen führen. Und da darf ich ja selbst gerecht den vernünftigen, vegetarisch-essenden Moralapostel spielen. Fleischfresser fragen uns komische Körnchenpicker oft etwa Folgendes: “Isst Du kein Fleisch wegen den Tieren oder hast Du’s nicht gern?”. Wie gesagt, zweiteres ist ja eigentlich irrelevant (Ja, ich habe Fleisch gern). Ersteres ist einer von etwa vier Gründen kein Fleisch zu essen:

Erstens, Du erzwingst die Schlachtung von Lebewesen. Bei mir lösen Einzel- vor allem aber Massenschlachtungen ein schlechtes Gefühl aus. Das ist einfach falsch. Das auch. Und das auch. Ich mach mir keine Illusionen, Genuss steht über dem reinen Mitgefühl. Deswegen,

zweitens, Tiere brauchen mehr Futter als sie selber Futter sind. Die ‘Produktion’ einer tierischen Kalorie kostet je nach Tierart fünf bis dreissig pflanzliche Kalorien (meist acht bis zehn). Anders gesagt, um Dich mit Fleisch zu sättigen, opferst Du durchschnittlich sieben extra Mahlzeiten. Als normaler Schweizer Fleischesser über das Welthungerproblem zu sprechen, ist heuchlerisch, wenn doch genau die Schweiz zum Beispiel aus Brasilien jährlich 250’000 Tonnen Sojafutter importiert – einem Land wo 6% der Bevölkerung unterernährt sind. Die Hälfte des Ackerlandes in Brasilien wird für die wirtschaftlich lukrative Sojaproduktion eingesetzt und nimmt der Bevölkerung das wichtige Ackerland weg.

Drittens, Fleisch ist die CO2-intensivste Ernährung überhaupt. Die Fleischproduktion ist eine sehr verschwenderische und ineffiziente Industrie, die nur 1,5% der globalen Wirtschaftsleistung ausmacht, aber für 18% der Treibhausgasemissionen verantwortlich ist und 30% der Landfläche der Erde vertilgt.

Viertens, 1kg Fleisch pro Woche ist nicht gesund (wenn auch nicht unbedingt ungesund). Gezeigt wurde, dass Vegetarier sich durchschnittlich besserer Gesundheit erfreuen. Das kann an der fleischlosen Ernährung liegen, oder daran, dass ein Vegetarier vielleich auch generell eher einen gesünderen Lebenstil pflegt.

Ich sehe schlicht keine vernünftigen Gründe, sich 1kg Fleisch in der Woche rein zu stopfen. Auch die Assoziationen mit Fleisch sind total idiotisch: Fleisch macht nicht stark, Fleisch ernährt nicht besser, Fleisch essen ist nicht männlich. Das ist alles totaler Quatsch! Wenn nun aber ein Grüppchen 1kg-pro-Woche Männer um einen Grill steht, kommt eben doch eine illusorische Nostalgie an gute, alte und vor allem männliche Jäger Zeiten auf. Wie so eine Mini-Romanze mit der angeblich erlegten Beute. Da wird die Vernunft plötzlich zum Aussenseiter und Fleisch essen zu einer Maxime, die Ignoranz zur Tugend erklärt.

Wieso so viel Fleisch? Es spricht doch nichts dagegen, ein weekday-veg zu werden? Nimmst Du all die Folgen in Kauf, nur weil Dir Dein Genuss wichtiger ist? Fleisch sollte wie Alkohol als Genussmittel angesehen werden. Doch Ihr seid alles Alkoholiker.

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5 Responses to “Ein Essay für Freunde: 1. Fleischkonsum”

  1. leonie says:

    respekt, super essay marc.

    einzig schade an der ganzen thematik (nicht an deinem essay) sind zwei dinge:
    1) dass immer mit brutalen schockbildern argumentiert wird
    2) dass man andersdenkende immer vom eigenen überzeugen will

    beides wirkt sich meiner meinung nach eher kontraproduktiv bei fleischessern aus (bei mir hat es diese wirkung).

  2. Thomas says:

    Uuuuuh bin ich froh sprichst du nur vom Fleisch essen, und nicht vom keine Tiere töten. Ansonsten hätte ich ein paar gute Argumente die dagegen sprechen ;)

  3. Marc says:

    Na los. :)

  4. Thomas says:

    z.B. Lederprodukt. En Töfffahrer (Tierfreund) fahrt sicher gern mitere Hanfjacke, die schütz öpe glich viel bimene sturz. Oder än Rosssattel, isch sicher stylisch sones Strickkonstrukt :) )

    Oder Maler, die sind sicher froh über nylonpinsel. häsch scho mal versuecht amene schwein d haar schnidä dämit en richtige pinsel chasch mache? ;)

    Oder Drummer, Schlagzüg sind au mit Tierhüt bezoge.

    Wo ich dir aber absolut recht gibe, wer seit er brucht jede Tag Fleisch, und 1KG pro Wuche, das brucht kein Mensch. Mangelerschinigä? Wohl kaum, s einzig wod viellicht nöd häsch sind all die coole super tolle hormon wos dä tier is frässe gäbed. dä rest chasch au über anderi nahrigsmittel zu dir näh. problemlos.

  5. rösli says:

    was fleischässer au meh im körper hend als mir vegis sind schwermetall ;)

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